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Selbsthilfegruppe feiert 10-jähriges Bestehen

Mit drei Grundregeln gegen Alzheimer

Det­mold (ab). Sei­nen 10. Ge­burts­tag hat der Ver­ein »Alz­hei­mer-Selbst­hilfe Det­mol­d« mit ei­ner Info-Ver­an­stal­tung ge­fei­ert. Rund 150 Gäste ver­folg­ten die Vor­träge der drei Re­fe­ren­ten im Som­mer­thea­ter, dar­un­ter auch der »Alz­hei­mer-Papst« Pro­fes­sor Dr. Dr. Kon­rad Bey­reuther.

Der Grün­dungs­di­rek­tor des Netz­werks Al­terns­for­schung (NAR) an der Uni Hei­del­berg ar­bei­tet seit 27 Jah­ren im Be­reich Alz­hei­mer und Al­ters­de­menz und be­treibt hier Grund­la­gen­for­schung. Be­reits 17 Jahre vor ih­rem Aus­bruch lasse sich die Alz­hei­mer-Krank­heit im Ge­hirn (per Scan­ner) an­hand von Ei­weiß­ab­la­ge­run­gen in ei­ner be­stimm­ten Hirn­re­gion er­ken­nen und dia­gno­s­ti­zie­ren, so Bey­reuther. Zwar gebe es bis­lang keine Hei­lung und ent­spre­chende The­ra­pien setz­ten zu spät ein – näm­lich er­st, wenn die Krank­heit aus­ge­bro­chen sei. Es lohne sich da­her, schon vor­her et­was ge­gen Alz­hei­mer zu tun und vor­zu­beu­gen und das ei­gene Ge­hirn ge­sund zu hal­ten. Drei Grund­re­geln emp­fiehlt Pro­fes­sor Bey­reuther sei­nen Zuhö­rern: Be­we­gung, die rich­tige Ernährung und im­mer neu­gie­rig zu blei­ben.

Drei­mal pro Wo­che sollte man sich 30 Mi­nu­ten be­we­gen. »Das kann auch Gar­ten­ar­beit sein«, er­läu­terte Bey­reuther. »­Sie ha­ben 80 Ki­lo­me­ter Blut­ge­fäße im Hirn, die müs­sen durch Be­we­gung ge­rei­nigt wer­den«. Er sel­ber du­sche vor dem Frühstück aus­gie­big und trai­niere da­bei das Gleich­ge­wicht, so der 70-Jäh­rige wei­ter. So ma­che er je 100 Knie­beu­gen auf bei­den Bei­nen. An­sch­ließend fol­gen noch hun­dert Rumpf­beu­gen. Beim Mit­zählen hält er eben­falls sein Ge­hirn fit, in­dem er mal vor­wärts, mal rück­wärts zählt oder an­dere Kom­bi­na­tio­nen wählt.

Mit der rich­ti­gen Ernährung könne man eben­falls wirk­sam et­was ge­gen Alz­hei­mer tun. Da­bei sei nicht nur das Was, son­dern auch das Wie ent­schei­dend. Bey­reuther rät, sich fürs Es­sen zu Zeit neh­men und da­bei auch ru­hig mal ein »Schwätz­chen« zu hal­ten. Auf diese Weise ver­langt der Kör­per die Men­gen zu es­sen, die er braucht, und das Ge­hirn »düm­pel­t« nicht vor sich hin. Viel Gemü­se, Obst, dazu Ge­trei­de­pro­dukte und Fisch und nur sel­ten Fleisch und Ge­flü­gel seien nach heu­ti­gem Kennt­nis­stand ge­nau das Rich­tige für Herz und Ge­hirn. »­Me­di­ter­rane Ernährung« nen­nen dies die Kar­dio­lo­gen und Alz­hei­mer-For­scher. Sehr gut seien Pflan­zenöle, aus de­nen der Kör­per das für das Ge­hirn sehr wich­tige »­Fischöl« DHA (Do­co­sa­he­xaensäu­re) her­stellt. Fri­sches Leinöl, Wal­nuss-, Raps-, Soja- und Wei­zen­keimöle seien ebe­falls wert­voll. Auch Kaf­fee und grü­ner Tee stün­den im Ver­dacht den »Alz­hei­mer-Pro­zess« zu ver­lang­sa­men. Dies zeig­ten Tier­ex­pe­ri­men­te, so Bey­reuther.

Die dritte Re­gel zielt ab auf le­bens­lan­ges Ler­nen und das Pfle­gen so­zia­ler Kon­tak­te. Wie beim ge­mein­sa­men Es­sen gilt auch beim Spa­zier­gang, dass eine Un­ter­hal­tung viel bringt. Wer al­leine geht, kann auch ne­ben­bei Mu­sik hören. Mu­sik könne wahre Wun­der in Sa­chen Hirn­hy­giene er­brin­gen: wer sie be­wusst wahr­nimmt, singt oder so­gar ein In­stru­ment spielt, trai­niert ganz­heit­lich, denn das Ge­hirn ak­ti­viert da­bei das Hör- und Be­we­gungs­zen­trum, den Ge­fühls­be­reich und das Ge­dächt­nis.

Dr. Ma­rion Bär for­derte in ih­rem Vor­trag einen neuen Um­gang mit De­menz und Alz­hei­mer. Man müsse dar­auf hin­ar­bei­ten, die so­ziale Teil­habe der Be­trof­fe­nen zu si­chern. »Wir müs­sen uns an dem ori­en­tie­ren, was bleibt, und nicht an dem, was ver­lo­ren geht« so die Ge­ron­to­lo­gin. Pro­fes­sor Dr. Hans Förstl, Di­rek­tor der Kli­nik für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie der TU Mün­chen er­läu­terte ak­tu­elle Aspekte in Sa­chen Dia­gnose und The­ra­pie von De­menz. Er sel­ber habe an­ge­sichts der Fort­schritte in der De­menz­for­schung die Hoff­nung, dass eine wirk­same The­ra­pie viel­leicht schon in den nächs­ten 20 Jah­ren ge­fun­den wer­den könn­te.

Mu­si­ka­lisch auf­ge­lo­ckert wurde die Ver­an­stal­tung durch Wal­de­mar Höl­zer. Der 79-Jäh­rige eme­ri­tierte Mu­sik­pro­fes­sor bot den Zuhö­rern ein li­te­ra­risch-mu­si­ka­li­sches Pro­gramm im Stile von Bach, Beetho­ven, Goe­the und Ei­chen­dorff so­wie einen klei­nen Strauß Früh­lings­lie­der. Höl­zer war un­ter an­de­rem 28 Jahre als Ge­sang­leh­rer an der Mu­sik­hoch­schule in Det­mold tätig.

vom 07.05.2011 | Ausgabe-Nr. 18B

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