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Pfar­re­rin Stef­fie Lan­genau Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­sche Kir­chen­ge­meinde Bad Sal­zu­flen "Hoff­nung blüht auf­!" Wie kleine vio­lette und gelbe Aus­ru­fe­zei­chen sind die Kro­kus­se, die ge­rade im Ra­sen auf­ge­blüht sind: "Ach­tung! Früh­ling in Sicht!" Es ist je­des Mal ein Wun­der, wenn sie bei den ers­ten noch schwa­chen Son­nen­strah­len ihre Kel­che öff­nen und ein Hoff­nungs­zei­chen set­zen, dass der Win­ter nun bald wirk­lich vor­bei ist und leich­tere Zei­ten kom­men. Ich er­in­nere mich noch gut dar­an, wie ich die Kro­kus­zwie­beln im Herbst ge­setzt ha­be. Das war eine un­si­chere Zeit. Viel hatte sich durch die Pan­de­mie in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ra­di­kal ver­än­dert. Men­schen hat­ten An­gehö­rige ver­lo­ren, so viele lit­ten un­ter der zu­neh­men­den Ein­sam­keit, nicht we­nige wa­ren ohne Ar­beit und in wirt­schaft­lich ganz un­si­che­rer La­ge. Und die Zah­len stie­gen wie­der an. Ich dachte bei der Gar­ten­ar­beit an den Schluss des 126. Psalms: "­Die mit Trä­nen säen, wer­den mit Freu­den ern­ten. Sie ge­hen hin und streuen ih­ren Sa­men und kom­men mit Freu­den und brin­gen ihre Gar­ben." Zwar wer­den Kro­kusse nicht ge­sät, aber der Ge­dan­ke, dass das, was man in Trau­rig­keit tut, am Ende doch zu et­was führt, was ein Hoff­nungs­zei­chen ist, war doch ganz ähn­lich. Noch in ei­nem tiefe­ren Sinn nimmt die Bi­bel diese Er­fah­rung, die man beim Gärt­nern ma­chen kann, auf: Je­sus wird im Jo­han­nes­evan­ge­lium mit ei­nem Wei­zen­korn ver­gli­chen. Es bringt nur Frucht, wenn man es in die Erde legt, wenn es "stirb­t", wenn seine Ge­stalt ver­geht und dar­aus wie durch ein Wun­der neues Le­ben er­wächst. Darin ist die Ein­sicht ent­hal­ten, dass das Ster­ben, das Los­las­sen, so­gar das Be­gra­ben von dem, was ei­nem wich­tig ist, und sei es un­ter Trä­nen, keine Sack­gasse ist. Ja, dass es zur Le­bens­er­fah­rung da­zu­gehört. Manch­mal ge­ra­ten wir durch die un­a­bläs­sige Be­schäf­ti­gung mit den vi­ro­lo­gi­schen Pro­gno­sen, mit Impf­mög­lich­kei­ten und In­zi­denz­zah­len in die Nähe der Vor­stel­lung, dass es ir­gend­wann ein Le­ben ohne Leid und Krank­heit, gar ohne Sterb­lich­keit ge­ben könn­te. Das ist eine Il­lu­sion. Dass aber auch ein Le­ben, in dem Tod und Trä­nen ihre Spu­ren ein­zeich­nen, ein er­füll­tes, hoff­nungs­vol­les Le­ben sein kann, das zeigt uns der Weg Je­su. Er war nicht von der Angst re­giert, son­dern von der Nähe Got­tes berührt und ge­hal­ten. Sie hielt auch dem Tod stand. Wir säen oft ge­nug mit Trä­nen, wir kom­men aus un­si­che­ren Zei­ten und sind un­si­cher, was kommt. Die Nähe Got­tes aber ist si­cher. Sie hört auch im Lei­den und im Ster­ben nicht auf. Ihre Stef­fie Lan­genau

vom 20.03.2021 | Ausgabe-Nr. 11B

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